Steven Isserlis braucht man den Besuchern des Heidelberger Frühling kaum noch vorzustellen. „Momente, die man nicht vergisst“ titelte die „Rhein-Neckar-Zeitung“ nach dem letztjährigen Gastspiel des englischen Ausnahmecellisten und schwärmte von seinem „innigen und faszinierend unaufdringlichen Ton“. Hatte Isserlis 2006 Werke aus Schuberts Wien im Gepäck, widmet er sich nun romantischer und frühmoderner Kammermusik aus zwei Ländern.
Die Wege Mendelssohns und Schumanns kreuzten sich immer wieder, nicht nur während ihres gemeinsamen Jahrzehnts in Leipzig, dem Ort, an dem Mendelssohns op. 58 entstand. Auch ihre Werke gaben ihnen reichlich Anlass zum Austausch, etwa wenn Schumann die Kammermusik seines Freundes rezensierte oder Mendelssohn eine Komposition Schumanns aus der Taufe hob. Dessen späte Violinsonate, hier in einer Fassung für Cello und Klavier dargeboten, ist allerdings mit anderen Musikernamen verbunden: Schumann schrieb dieses Werk 1853 gemeinsam mit Johannes Brahms und Albert Dietrich für den Geiger Joseph Joachim.
Der Begriff „böhmische Musiker“ hatte schon zu Mozarts Zeiten einen guten Klang. Diese Tradition führten zunächst Dvorák und Smetana, später Janácek und Martinu fort, nun unter Hervorkehrung nationaler Tonfälle. Während Janáceks „Märchen“-Suite aus drei kleinen Tondichtungen besteht, die um die Abenteuer des Prinzen Iwan kreisen, lehnt sich Martinus Cellosonate Nr. 1 stärker an das klassische Formmodell an. Sie gehört übrigens zu den ersten Werken, die der junge Isserlis auf CD einspielte.
Steven Isserlis, Violoncello
Connie Shih, Klavier
Mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreises Heidelberger Frühling e.V.