Die Vorbildfunktion des Schubert-Lieds gründet nicht allein auf seinem harmonischen Reichtum, seiner Feinzeichnung seelischer Vorgänge und der Fähigkeit zur Zyklusbildung. Auch einzelne musikalische Chiffren setzten Maßstäbe: der Bewegungsimpuls des Wanderns, das Fließen von Wasser oder – als Gegenteil – das Stocken und Verlöschen jeglicher Dynamik. Diese Liedelemente haben Schubert zeit seines Lebens beschäftigt; in den hier zusammengestellten Liedern aus den Jahren 1817-1826 bilden sie den Kern der Vertonung.
Auch Johannes Brahms stand im Bann Schuberts, in seinem letzten Lied-Opus allerdings setzte er sich deutlich von ihm ab. Seine „Vier ernsten Gesänge“ beschwören nicht nur den heiligen Ernst kirchenmusikalischer Praxis, sie geben sich zudem betont altertümlich, von der Textgrundlage bis hin zur herb-archaisierenden Vertonung. Ein Vierteljahrhundert später war es Ferruccio Busoni, der mit sechs Goethe-Liedern Abschied von seinem Komponistendasein nahm und auf diesem Weg ganz bewusst zu seinen romantischen Wurzeln zurückkehrte.
Der junge Bariton Hanno Müller-Brachmann ist dem Lied nicht nur als Meisterschüler von Dietrich Fischer-Dieskau und Rudolf Piernay verbunden. Und vielleicht gäbe es mehr als nur zwei CD-Einspielungen – von Schubert-Liedern – mit Müller-Brachmann, hätte ihn Daniel Barenboim nicht 1998 an die Staatsoper Unter den Linden verpflichtet, wo er seither mit den wichtigsten Opernpartien brilliert. Zu seinen bevorzugten Klavierpartnern gehört Burkhard Kehring, der sich als mehrfach preisgekrönter Schubert-Interpret einen Namen gemacht hat.
Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton
Burkhard Kehring, Klavier