Für das in Hamburg ansässige Ensemble Intégrales geriet eine Reise in die Mongolei zur Initialzündung, sich verstärkt mit asiatischen Tonkünstlern zu beschäftigen. Interessanterweise sind in diesem Konzert ausschließlich Komponisten vertreten, die vom Westen beeinflusst wurden, die in den Westen gereist sind oder zum Teil länger dort gelebt haben. Und doch spürt man das Originäre in den jeweiligen Musiksprachen der Komponisten.
Zwar repräsentiert Europa im „Verhältnis“ der Musikkulturen nach wie vor ein Gravitationszentrum, das Künstler anderer Kulturkreise anzieht und an sich bindet, allerdings stellt die westliche Kultur im Zuge wachsender Emanzipation nicht mehr unbedingt das Nonplusultra dar. Während den altehrwürdigen asiatischen Musiktraditionen einerseits der Ruch des Rückständigen anhaftet, von dem sich „progressive“ Kräfte absetzen wollen, vermag andererseits gerade die Distanz zur Heimat den bewussten oder unbewussten Rückbezug auf die eigenen, oftmals nur mehr in der Imagination präsenten kulturellen Wurzeln auslösen. Wie unterschiedlich und vielschichtig die Auseinandersetzung mit westlicher Musik ist, kann in diesem Konzert erlebt werden.
Ensemble Intégrales
Barbara Lüneburg, Violine
Jennifer Smyth, Flöte
Burkhard Friedrich, Saxophon
John Eckhardt, Kontrabass
Ashley Hribar, Klavier
18:30 uhr: Konzerteinführung: Ein Gespräch mit Samir Ode-Tamimi und Alireza Mashayeki