Marco Stroppa beleuchtet in seinen „miniature estrose“ vielfach irrlichternde Zwischenwelten, deren Klänge geprägt sind von ungreifbaren, wundersamen Resonanzen. Diese liegen über den Stücken wie immaterielle Schleier und verleihen ihnen eine klangliche Tiefe. Allen Stücken gemeinsam ist ein Bedürfnis nach Utopie: In „Moai“ nähert man sich schaudernd den kolossalen Statuen der untergegangenen Kultur der Osterinsel, in „Tangata manu“ – nach einem Mythos vom Vogel-Gott-Mensch – geht es ums Fliegen, um das Verlassen der materiellen Welt und des konkreten Klangs. „Ninnananna“, die dritte der Miniaturen, ist eine Berceuse: Wie kurz vor dem Einschlafen überlagern sich klares Bewusstsein und traumähnliche Gebilde, die miteinander in Konflikt geraten.
„Gaspard de la nuit“ lässt die ganze Traum- und Geisterwelt des 19. Jahrhunderts noch einmal in all ihren beklemmenden Zwischentönen, aber auch mit ihrer ganzen Verführungskraft erstehen. Hier ist es z. B. das Wasserwesen Ondine, das zwischen unbelebter Natur und Menschendasein wohnt und in einem wasserähnlichen Klavierklang singt.
Matthias Pintschers zauberhaftes Tag-Traumstück „on a clear day“ mit seiner luftigen Räumlichkeit und einer ungeheuer nuancenreichen Farbpalette wird das Nachtprogramm eröffnen.
Florian Hoelscher, Klavier