Eigentlich, so schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu einem seiner letzten Konzerte, sei Alfred Brendel „gar nicht Pianist, sondern ein Musikgedankenvorleser“. Ungezählte Male während seiner Karriere als Interpret am Klavier erklärte er sich (und seinen Zuhörern) die Ideen eines Stückes und zerlegte dessen Strukturen, indem und während er spielte. Jahrzehntelang hat er sich vor allem mit Mozart, Beethoven und Schubert auseinandergesetzt und deren Werke immer wieder neu durchdacht. Kein Wunder, dass er das Wort „Werktreue“ nicht mag, denn damit kann auch Buchstabentreue gemeint sein.
Im Dezember 2008 hat er sein unwiderruflich letztes öffentliches Konzert gegeben. Doch glücklicherweise bleibt er seinem Publikum als Musikphilosoph erhalten. Erstmals zu Gast beim Heidelberger Frühling, gibt Brendel bei einem Vortrag am Klavier Einblick in seinen Umgang mit der Interpretation von Werken und beantwortet Fragen der Zuhörer. Musik, so Alfred Brendel, müsse man „von ihrem Inneren heraus entwickeln und nicht von außen Scheinwerfer draufhalten“. Im Idealfall erzähle ihm das Stück, was er machen soll. „Ich will nicht dem Stück sagen, wie es sein soll, und dem Komponisten nicht, wie er hätte komponieren sollen“, so Brendel. Musik verstehen und gestalten, den Sinn der Werke ergründen, das ist sein Lebensthema: eben ein „Musikgedankenvorleser“.
Alfred Brendel Vortrag und Klavier
In Kooperation mit der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Fotonachweis: privat