Der 1981 in Tarbes, Frankreich, geborene Pianist David Fray vereint vielerlei europäische Wurzeln in sich: Mütterlicherseits ist seine Familie tschechisch-polnisch-finnischen Ursprungs. Sein Hausheiliger aber ist Johann Sebastian Bach, dessen Klavierkonzerte BWV 1052 und 1058 er jüngst mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auf CD eingespielt hat – und wie! „David Fray entdeckt mehr psychologische Tiefenschärfen, prallere Geschichten und feinere Emotionen in Bach als seine Kollegen“, hieß es 2008 im SPIEGEL. „Hier ist der vielleicht erste, echte Neuaufbruch zur Klaviermusik des Barock seit Glenn Gould.“ Dabei ist es nicht leicht, sich gerade mit diesen Werken zu profilieren, da Bach seine Konzerte nicht als Solowerke für Tastenlöwen konzipiert hat, sondern als Umarbeitungen von eigenen Violinkonzerten und Kantaten für Cembalo. Dessen silbriger Klang ist natürlich mit den Möglichkeiten eines heutigen Konzertflügels nicht zu vergleichen. Darin liegt aber gerade das Verdienst von David Fray: Er bedient sich eines singenden, tastenden und dennoch erzählerisch auftrumpfenden Klavierstils, der ihn zu einem der unabhängigsten Klaviergeister der Gegenwart macht. Und zu einem, der den aufregendsten Bach seit Jahrzehnten spielt. Auch das Adagio und Fuge c-Moll KV 564 ist eine Umarbeitung. Wolfgang Amadeus Mozart schuf aus seiner Fuge für zwei Klaviere KV 426 ein Werk für Streichorchester und stellte ihm zusätzlich eine Adagio-Einleitung voran, die durch ihre Punktierungen an eine französische Ouvertüre erinnert. Bei Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr. 9 schließlich, einem im Jahre 1822 geschriebenen Jugendwerk, klingen Erinnerungen des 13-jährigen Komponisten an eine Reise durch die Schweiz nach. Man hört hier fröhliche Jodler und „Kuhreigen“, was den Beinamen „Schweizer Sinfonie“ erklärt.
„Fray spielt den aufregendsten Bach seit Jahrzehnten.“
DER SPIEGEL