Rund 130 Einzelwerke, vom schlichten Kanon über das klavierbegleitete mehrstimmige Lied bis zur mehrteiligen, mit Solisten, Chor und Orchester besetzten Kantate – sein ganzes Leben lang setzte sich Franz Schubert mit dem mehrstimmigen Gesang auseinander. Beim Heidelberger Frühling 10 werden nun alle klavierbegleiteten Gesänge vorgestellt, die in solistischer Besetzung aufführbar sind.
Dabei sind die Themen und Kompositionsanlässe äußerst vielfältig: Zu ersten Studien regte der Unterricht bei Antonio Salieri an, später entstanden viele der mehrstimmigen Gesänge als Auftragswerke oder als „Gesellschaftsmusiken“, um sie im Freundes- und Bekanntenkreis aufzuführen, als Überraschungsständchen für Geburtstage, als komödiantische Unterhaltung oder als Trink- und Geselligkeitslieder. Doch auch einfach „zweckfreie“ mehrstimmige Gesänge gibt es, bei denen sich Schubert von einem Gedicht inspiriert fühlte, die dem. Gotteslob dienen oder sich mit Tod und Auferstehung, Natur- und Lebensbetrachtung auseinandersetzen
Ob die Lieder mehrstimmig oder solistisch aufgeführt werden sollten, ist nicht immer klar bezeichnet. Nur selten schrieb Schubert am Beginn der Partitur ein „Coro“ nieder, doch musste er sich wahrscheinlich über die Frage der Besetzung gar keine Gedanken machen: Viele der Lieder vertragen sowohl solistische als auch chorische Aufführung. Man passte sich wohl eher den gegebenen Aufführungsmöglichkeiten an, gab es doch im südlichen deutschsprachigen Raum zu Schuberts Lebzeiten noch keine lebendige Chortradition außerhalb der Kirche wie etwa mit den Liedertafeln und Männerchören im Norden. Bei anderen Werken, wie der komödiantischen Minioper „Der Hochzeitsbraten“ mit ihren drei Protagonisten, war und ist natürlich nur eine solistische Besetzung möglich.
Teil 1: