Interview mit dem Pianisten Francesco Piemontesi

Er ist einer der aufsteigenden Sterne am Musikhimmel und auf immer mehr Festivals, Wettbewerben und in Begleitung von Persönlichkeiten wie Martha Argerich anzutreffen: der Pianist Francesco Piemontesi. 2007 erhielt er den 3. Preis beim renommierten Königin Elisabeth Wettbewerb in Brüssel und zuletzt den Gawon Music Award in Seoul im Januar 2008.

Am 23. April wird er seinen ersten Solo-Klavierabend beim Heidelberger Frühling geben und bereits am Abend zuvor an der Seite der Cellistin Marie-Elisabeth Hecker zu hören sein. Wenige Wochen vor seinen Auftritten in der Alten Aula der Universität Heidelberg sprach der 1983 in Locarno geborene Schweizer mit dem Heidelberger Frühling über sein Konzertprogramm beim Heidelberger Frühling 2008 - und über seine große Leidenschaft, das Skifahren.


Wie sieht momentan Ihr Alltag aus? Vor dem Heidelberger Frühling sind Sie ja auch noch in Tel Aviv, München und Japan...
... ja, es gibt immer viel zu tun, gibt immer neue Stücke zu lernen. Momentan studiere ich noch an der Musikhochschule in Hannover, mache aber bald mein Konzertexamen.

Sind Sie dann gewissermaßen 24 h/Tag am Üben?
Nein. Erst mal mache ich nicht alle meine Übestunden am Instrument. Ich lese auch gerne die Noten, die ich spielen werde. Man kann viele Eindrücke daraus gewinnen. Als Entspannung versuche ich viel Sport zu machen, zu schwimmen. Und im Winter fahre ich Ski, das habe ich als ganz kleines Kind angefangen. Man muss natürlich immer auf die Hände aufpassen. Ich versuche auch so viel wie möglich mit Freunden zu unternehmen und Ferien zu machen.

Wie sind Sie zur Musik und speziell zum Klavierspiel gekommen?
Als Kind habe ich immer etwas nachgesungen, erzählen mir meine Eltern, und Interesse an Musik gezeigt. Da dachten sie sich, sie bringen mich mal zum Geigenunterricht. Die Lehrerin erinnert sich heute noch daran, dass die einzige Freude, die ich am Unterricht hatte, die war, mich am Ende an das dort stehende Klavier zu setzen. So blieb es dann beim Klavier.

Bleibt bei Festivals wie dem Heidelberger Frühling neben den Auftritten noch Zeit, um Kontakte zu Kollegen zu pflegen oder neue zu knüpfen?
Ja, das ist wunderbar. Man trifft auch nicht nur Leute, mit denen man gerade spielt, sondern auch bereits gespielt hat, knüpft Kontakte, probiert neue Stücke aus, liest ein Stück vom Blatt und es passt einfach. So entstehen auch neue Kammermusik-Formationen oder auch menschliche Beziehungen. Das ist immer wunderschön.

Haben Sie eine Vorliebe zwischen Kammermusik oder Solo-Auftritten?
Oh, ich mache eigentlich alles gerne. Natürlich ist es von der menschlichen Seite viel, viel schöner, wenn man mit anderen Leuten unterwegs ist. Manchmal ist es mit den Proben ein bisschen kompliziert, wenn man in verschiedenen Städten lebt. Aber die Kammermusik bleibt immer die schönste Form des Musizierens. Solo-Konzerte geben einem natürlich mehr die Möglichkeit, sein eigenes Konzept vorzustellen. Bei der Kammermusik kommen dagegen viele Konzepte zusammen, die sich zu einer Gesamtinterpretation finden müssen.

Ihr Programm beim Heidelberger Frühling 2008 geht ja quer durch die Jahrhunderte, von Bach bis Rachmaninoff. Welcher rote Faden spannt sich da?
Das Programm ist chronologisch gedacht. Ich wollte mal zeigen, wie die Entwicklung dieses Instrumentes vor sich ging. Vom Cembalo bei Bach, der ja noch kein Hammerklavier kannte, bis zum modernen Konzertflügel. Und wie sich mit den neuen Möglichkeiten des Instruments auch der Stil in so kurzer Zeit, diesen knapp eineinhalb Jahrhunderten, verändert hat. Es war mein Wunsch, vier Werke, die für ihre Epoche sehr wichtig waren und repräsentativ sind, nebeneinander zu stellen und so die Entwicklung aufzuzeigen.

Haben Sie ein Lieblingsstück in ihrem Programm?
Ich fühle mich schon immer, seit ich ein Kind war, der Musik von Schubert sehr, sehr nahe. Mit den Jahren ist er zu meinem Lieblingskomponisten geworden, zusammen mit Mozart. Darum bin ich sehr froh, dieses Stück (Franz Schubert, Klaviersonate A-Dur D664, Anm. d. Red.) spielen zu können. Ich finde, es hat auch viele menschliche Züge. Das ist Musik, die man sofort verstehen kann. Sie gut zu spielen ist wieder eine andere Frage. Aber sie spricht sofort zum Herzen.

Wie sind die Reaktionen aus dem Publikum bei Schuberts Musik?
Das hat mich immer sehr gefreut. Oft hat man mir gesagt, nachdem ich Schubert-Sonaten oder Kammermusik gespielt habe, dass ein Bogen gespannt wurde zwischen der Musik, mir und dem Publikum.

Was machen Sie direkt vor einem Konzert?
Am Tag davor mache ich gerne ein paar Yoga-Übungen und vor dem Konzert Autogenes Training. Ich versuche, zumindest eine Stunde vor dem Konzert im Saal zu sein und innerlich einen Countdown zu machen. Dann stellt man sich auf das Konzert ein. Die Anspannung davor geht nie weg, aber das ist auch schön so, denn wenn man aufgeregt ist, kann man bessere Leistungen erbringen. Man muss nur aufpassen, dass sie einen nicht blockiert.

Haben Sie einen Lieblingskonzertsaal?
Letztes Jahr habe ich in der Alten Aula in Heidelberg gespielt, das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Einer meiner Lieblingssäle ist der Kammermusiksaal der Philharmonie in Berlin. Der hat eine so fabelhafte Akustik und auch die Optik ist schön. In diesem weißen Saal zu spielen, da fühlt man sich wie von der Sonne umstrahlt.

Druckdatum: 12.01.2010   © 2010 Internationales Musikfestival Heidelberger Frühling

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