
Reflexionen zum 30. Festivalgeburtstag von Thorsten Schmidt
Was macht den Heidelberger Frühling aus? Was hat diese ersten dreißig Jahre geprägt – jenseits einzelner Konzerte und Künstlernamen, was treibt uns an? Die Antwort ist denkbar einfach: die Menschen. Nicht der Effekt eines Abends, nicht die Auslastung eines Saals, sondern die Begegnung und die daraus entstehende Bindung, die zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Ihnen als Publikum und uns als Festival über Jahre entsteht, ist seit 1997 das Zentrum unserer Arbeit. Ein Festival, das nur auf den gelungenen Moment zielt, hat seine Aufgabe verfehlt. Uns ging es seit jeher um weit mehr als Applaus.

Ich glaube an die Kraft der Gestaltung und bin zutiefst davon überzeugt, dass es unsere Aufgabe als Individuum und Institution ist, in einer Welt, die von Vielfalt lebt, unseren aktiven Beitrag zu einem guten Miteinander zu leisten. Zukunft ist kein Schicksal, sie wird gemacht, in vielen kleinen, gemeinsamen Handlungen. Dazu gehört auch die Arbeit eines Festivals. Denn Kultur beschreibt nicht nur, was ist, sie ist der Seismograf für das, was wird.
Ein Festival kann über Kontroverse und Dialog verbinden. Gemeinsam zuzuhören, sich uneinig über das Gehörte zu sein, eine andere Meinung zu respektieren, sich zu verständigen, sich berühren zu lassen, wirkt weit über den Konzertabend hinaus in den Alltag der Beteiligten hinein. Wir erklären nicht die Welt. Wir gestalten einen Raum, in dem sich üben lässt, was eine Gesellschaft zusammenhält: Offenheit.



