Künstler

Wolfam Rieger © Daniel Pasche

Wolfram Rieger

Noch während des Studiums wurde Wolfram Rieger von der Münchner Musikhochschule als Gesangsbegleiter engagiert; wenige Jahre später leitete er am gleichen Haus seine eigene Liedklasse. 1998 übernahm er eine Professur für Liedgestaltung an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“.

Wolfram Riegers rege internationale Konzerttätigkeit führte ihn mittlerweile in fast alle Teile der Welt. Er ist langjähriger Klavierpartner von Brigitte Fassbaender, Christiane Karg, Thomas Hampson, Dietrich Fischer-Dieskau, Matthias Goerne, Thomas Quasthoff, Luca Pisaroni, Michael Schade und Kammermusikpartner des Cherubini-Quartetts, des Petersen-Quartetts sowie des Vogler-Quartetts. Wolfram Rieger gastiert regelmäßig bei den bedeutendsten internationalen Musikzentren und Musikfestivals und gibt darüber hinaus Interpretationskurse in Europa und Japan.

Viele seiner zahlreichen CD-Aufnahmen bei verschiedenen Labels wurden mit Preisen ausgezeichnet.

Wolfram Rieger ist Träger der Ehrenmedaille der Franz-Schubert-Gesellschaft von Barcelona.

Julius Drake © Sim Canetty Clarke

Julius Drake

Der in London lebende Pianist Julius Drake genießt als einer der herausragendsten Instrumentalisten seines Faches internationales Renommee. Er arbeitet mit vielen der weltweit führenden Künstler zusammen, sowohl bei Liederabenden als auch bei Aufnahmen. Regelmäßig ist er in den großen Konzerthäusern wie der Carnegie Hall, dem Lincoln Center New York oder dem Concertgebouw Amsterdam zu erleben und gastiert bei den Festivals in Aldeburgh, Edinburgh, der Schubertiade, den BBC Proms oder den Salzburger Festspielen.

Seine umfangreiche Diskografie umfasst u. a. eine hochgelobte Serie mit Gerald Finley für das Label Hyperion, darunter die mit dem 2007, 2009 und 2011 »Gramophone Classical Music Award« ausgezeichneten Einspielungen der Lieder Samuel Barbers, der Heine-Lieder Robert Schumanns und der »Songs & Proverbs of William Blake« von Benjamin Britten, ausgezeichnete Aufnahmen mit Ian Bostridge für EMI, Live-Mitschnitte aus der Londoner Wigmore Hall mit Künstlern wie Alice Coote, Joyce DiDonato, Lorraine Hunt Lieberson, Christopher Maltman und Matthew Polenzani, Aufnahmen der Sonaten von Kodály und Schoeck mit den Cellisten Natalie Clein und Christian Poltera für die Labels Hyperion und Bis, von Tschaikowski und Mahler mit Christianne Stotijn für Onyx, englisches Leid mit Bejun Mehta für Harmonia Mundi, sowie die mit dem »Preis der Deutschen Schallplattenkritik« 2017 gekrönte Aufnahme »Poetisches Tagebuch« mit Liedern von Franz Schubert zusammen mit Christoph Prégardien.

Julius Drake hat vor kurzem ein großes Projekt gestartet, um Lieder von Franz Liszt für Hyperion aufzunhemen und die zweite CD in der Serie, mit Angelika Kirchschlager, hat 2012 die »BBC Music Magazine Award« gewonnen. Drake nahm auch vier Konzerte von Schubert mit Ian Bostridge Live in der Wigmore Hall auf.

Thomas Hampson

Der US-amerikanische Bariton Thomas Hampson genießt eine einzigartige internationale Karriere als Opern-, Konzert- und Liedsänger. Er engagiert sich zudem seit langem aktiv in Forschung, Ausbildung, Musikvermittlung und -technologie. Hampson ist weltweit mit renommierten Sängern, Pianisten, Dirigenten und Orchestern in allen wichtigen Konzert- und Opernhäusern aufgetreten und ist einer der bedeutendsten, innovativsten und gefragtesten Gesangssolisten der Gegenwart.

Mit der 2003 gegründeten Hampsong Foundation setzt er sich durch das Medium der Liedkunst für interkulturellen Dialog und Verständigung ein. Unlängst wurde Hampson in die Amerikanische Akademie der Künste und Wissenschaften aufgenommen. Er zählt zu den führenden Interpreten des deutschen romantischen Liedes und wurde durch sein gefeiertes, in Kooperation mit der Library of Congress entstandenes Liedprojekt „Song of America“ als „Botschafter des amerikanischen Liedes“ bekannt. Auch lehrt Hampson leidenschaftlich gern und gibt sowohl Meisterkurse im Fernstudienprogramm der Manhattan School of Music als auch während des Heidelberger Frühlings im Rahmen der Lied Akademie, dessen Gründer und künstlerischer Leiter er ist.

Nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als künstlerischer Leiter der Lied Akademie ist Thomas Hampson dem »Frühling« seit langen Jahren eng verbunden. 2020 wurde er für sein Engagement für das Kunstlied mit dem Musikpreis des Heidelberger Frühling ausgezeichnet.

Igor Levit

Als kreativer Kopf des Kammermusikfests »Standpunkte« und künstlerischer Leiter der Kammermusik Akademie ist der Pianist Igor Levit mit dem Heidelberger Frühling seit langem eng verbunden.

Igor Levit verbindet in seinem Klavierspiel „klanglichen Charme, intellektuellen Antrieb und technische Brillanz“ (The New Yorker). Mit wachem und kritischem Geist stellt er seine Kunst dabei in den Kontext des gesellschaftlichen Geschehens und begreift sie mit diesem als untrennbar verbunden. Die New York Times beschreibt Igor Levit darin als einen der „bedeutendsten Künstler seiner Generation“, die Süddeutsche Zeitung als „Glücksfall“ für das heutige Konzertgeschehen und die Zeit titelte, Igor Levit „will nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt“.

1987 in Nizhni Nowgorod geboren, siedelte Igor Levit im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland um. Sein Klavierstudium in Hannover absolvierte er mit der höchsten Punktzahl in der Geschichte des Instituts. Zu seinen Lehrern gehörten Karl-Heinz Kämmerling, Matti Raekallio, Bernd Goetzke, Lajos Rovatkay und Hans Leygraf. Als jüngster Teilnehmer gewann Igor Levit beim 2005 ausgetragenen International Arthur Rubinstein Wettbewerb in Tel Aviv neben Silber auch den Sonderpreis für Kammermusik, den Publikumspreis und den Sonderpreis für die beste Aufführung zeitgenössischer Pflichtstücks. Im Frühjahr 2019 erfolgte der Ruf als Professor für Klavier an seine Alma Mater, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Die Saison 2020/21 steht für Igor Levit ganz im Zeichen der Klaviersonaten Ludwig van Beethoven. Die im September 2019 von Sony Classical veröffentlichte erste Gesamteinspielung Igor Levits der Beethoven-Klaviersonaten wurde hervorragend rezensiert und erreichte umgehend Platz 1 der offiziellen Klassik Charts in 2019. Die Zyklen der gesamten Klaviersonaten präsentiert Igor Levit bei den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival sowie dem Musikfest Berlin, an der Elbphilharmonie, beim Konserthuset Stockholm und in der Wigmore Hall in London. Im Mai 2021 gibt Igor Levit mit einem Beethoven-Sonatenprogramm seine Debüt-Tournee in Asien, die ihn nach Japan, Korea, Taiwan und Hong Kong führen wird. Weitere Rezitaldebüts führen ihn unter anderen zum Firkusny Festial in Prague sowie zur Disney Hall in Los Angeles.

In der Saison 2020/21 ist Igor Levit Artist in Residence des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie Portaitkünstler der Philharmonie Essen. Er gastiert mit dem Orchestre de Paris (Manfred Honeck), dem Cleveland Orchestra (Franz Welser-Möst), den Berliner Philharmonikern (Paavo Järvi) und dem Concertgebouw Orkest (Antonio Pappano). In den USA gibt er Debüts beim Chicago Symphony Orchestra und dem New York Philharmonic – beide unter der Leitung von Herbert Blomstedt. Neben der Zusammenarbeit mit Musikern des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, tritt er kammermusikalisch auf Tournee mit dem Hagen Quartett auf.

In der vergangenen Saison war Igor Levit „Featured Artist“ am Barbican Centre in London. Zu den Höhepunkten vergangener Spielzeiten zählen neben Debüts bei der Staatskapelle Dresden und dem Gewandhausorchester Leipzig, Europa-Tourneen mit den Wiener Philharmonikern, dem Tonhalleorchester Zürich und dem Pittsburgh Symphony Orchestra

Igor Levit ist exklusiver Künstler bei Sony Classical. Mit seiner Debüt-CD der fünf letzten Sonaten Beethovens gewann er den Newcomer-Preis des Jahres 2014 des BBC Musik Magazins sowie den Young Artist Preis 2014 der Royal Philharmonic Society. Igor Levits drittes Soloalbum mit Bachs Goldberg Variationen, Beethovens Diabelli Variationen und Rzewskis The People United Will Never Be Defeated erhielt 2016 im Rahmen der Gramophone Classical Musikpreisverleihung den Instrumental-Preis sowie den Preis „Aufnahme des Jahres“. Im Oktober 2018 veröffentlicht Sony Classical Igor Levits viertes Album für das Label: „Life“, mit Werken von Bach, Busoni, Bill Evans, Liszt, Wagner, Rzewski und Schumann.

Igor Levit ist Preisträger des „2018 Gilmore Artist Award“ und „Instrumentalist des Jahres 2018“ der Royal Philharmonic Society. Für sein politisches Engagement wurde Igor Levit 2019 der 5. Internationale Beethovenpreis verliehen. Im Januar 2020 folgte die Auszeichnung mit der „Statue B“ des Internationalen Auschwitz Komitees anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz.

In seiner Wahlheimat Berlin spielt Igor Levit auf einem Steinway D Konzertflügel – eine Schenkung der Stiftung “Independent Opera at Sadler’s Wells“.

Anna Lucia Richter

Anna Lucia Richter entstammt einer großen Musikerfamilie. Als langjähriges Mitglied des Mädchenchores am Kölner Dom erhielt sie seit ihrem neunten Lebensjahr Gesangsunterricht bei ihrer Mutter Regina Dohmen. Im Anschluss wurde sie von Prof. Kurt Widmer in Basel ausgebildet und schloss ihr Gesangstudium mit Auszeichnung bei Frau Prof. Klesie Kelly-Moog an der Musikhochschule Köln ab. Weitere Anregungen erhielt sie von Edda Moser, Christoph Prégardien, Edith Wiens und Margreet Honig, die sie auch weiterhin betreut. Die Künstlerin erhielt zahlreiche Preise, darunter der prestigereiche Borletti-Buitoni Trust Award.

Inzwischen ist die Künstlerin weltweit unterwegs. Die Einladung, im Sommer 2020 die Rolle der Zerlina in Mozarts Oper Don Giovanni unter Teodor Currentzis bei den Salzburger Festspielen zu singen, muss allerdings leider verschoben werden. Ein wichtiges Projekt ist aber die Eurydice/La Musica in Monteverdis Orfeo in der viel beachteten Produktion von Sasha Waltz, die an der Staatsoper Unter den Linden aus der Taufe gehoben wurde. Nach großem Erfolg u.a. an der Oper Amsterdam gastiert die Produktion erneut in Berlin sowie bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen 2021.

Großartige Konzertprojekte stehen 2020/2021 auch auf internationalem Parkett an: u.a. singt sie die ihr besonders vertraute 4. Symphonie von Gustav Mahler mit dem Nederlands Philharmonisch Orkest im Concertgebouw, Amsterdam, unter Lorenzo Viotti sowie mit dem The Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Gustavo Gimeno in Tel Aviv und Haifa. Auch bei den Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Valerie Gergiev ist sie mit diesem Werk zu Gast. Auf Tournee geht sie mit dem Freiburger Barockorchester: London (Wigmore Hall), Bath, Stuttgart (Liederhalle) und Berlin (Berliner Philharmonie) mit Arien aus der Händels Oper Semele und Telemann´s Kantate Ino. In Salzburgs ‚Januarwoche‘ wird die Künstlerin an einem musikalischen Tanzprojekt (Mozart-Messen) beteiligt sein. Die Werke von Johann Sebastian Bach gehören zum Kernrepertoire der Künstlerin: Eine CD mit Liedern aus Schemellis Gesangbuch und dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach u. a. mit Georg Nigl erschien beim Label alpha.

Anna Lucia Richter arbeitete in letzter Zeit häufig mit Teodor Currentzis und MusicAeterna, u. a. in einer konzertanten Aufführung von Mozarts La Clemenza di Tito, mit dem London Symphony Orchestra und Bernard Haitink, Giardino Armonico und Giovanni Antonini, dem Orchestre de Paris und Thomas Hengelbrock sowie dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer. Mit diesen Ensembles gastierte sie auch wiederholt bei großen Festivals wie dem Lucerne Festival, bei den BBC Proms in London, beim Schleswig-Holstein Musik Festival oder als ‚Artist in Residence‘ beim Rheingau Musik Festival 2018 sowie in der Kölner Philharmonie 2018/19.

Im Bereich Lied ist Anna Lucia Richter mit einem umfangreichen Repertoire in allen großen Liedzentren zu Gast, z. B. bei der Schubertiade Schwarzenberg, der Schubertiada Vilabertran, dem Rheingau Musik Festival, beim Heidelberger Frühling oder der Wigmore Hall London. Ihr US-Debüt gab sie mit drei Liederabenden in New Yorks Park Avenue Armory, begleitet von Gerold Huber, ein weiteres US-Rezital in der Weill Hall der Carnegie Hall mit ihrem viel beachteten und außergewöhnlichen Liederkreis-Programm gemeinsam mit Michael Gees mit Eichendorff-Vertonungen und Improvisationen. In der Saison 2018/2019 begann für Anna Lucia Richter eine dreijährige Residenz als “Junge Wilde” am Konzerthaus Dortmund: als Auftakt sang sie Anfang 2019 einen Schubert- Liederabend zusammen mit Gerold Huber. Das Programm „Heimweh“ erschien kurze Zeit später auf CD, gleichzeitig Anna Lucia Richters Debüt-CD beim Label Pentatone. Im Frühjahr 2020 folgte ein Konzert mit dem Ensemble Claudiana, ein Monteverdi-Abend unter dem Titel: Il delirio della passione und im Frühjahr 2021 gibt sie zusammen mit dem Schumann-Quartett ein Konzert mit Reimann-Bearbeitungen von Liedern von R. Schumann und F. Mendelssohn-Bartholdy aufführen.

Christina Pluhar © Marco Borggreve

Christina Pluhar

ECHO-Ehren für Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata: drei Alben haben sie für Virgin Classics aufgenommen, und alle drei wurden mit einem Klassik ECHO ausgezeichnet.   „Wo soll ich mit dem Schwärmen anfangen, wo aufhören?“, hatte sich etwa der Kritiker des Klassikmagazins Toccata gefragt angesichts der ersten Virgin Classics-CD „Teatro d’Amore“, die einen ungewöhnlichen Streifzug durch die Musik Claudio Monteverdis macht und ein Sensationserfolg wurde. Eine barocke Jam-Session, rauschend, schillernd und verschwenderisch. Spiegel online urteilte: die unverschämteste und lustigste Barock-CD seit Jahren.

Christina Pluhar wurde in Graz geboren. Nach ihrem Studium der Konzertgitarre in ihrer Heimatstadt begann sie ihr Lautenstudium am Koninklijk Conservatorium in Den Haag und setzte ihre Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis fort, wo sie 1992 das “Diplom für Alte Musik” erlangt.  Barockharfe studiert sie an der Scuolo Civica di Milano.

Seit 1992 lebt als freischaffende Musikerin in Paris, und hat als Solistin und Continuistin mit verschiedenen Ensembles und Barockorchestern in allen Festivals zu hören.

2000 gründete sie ihr eigenes Ensemble L’Arpeggiata, mit dem sie Publikum und Presse durch unkonventionelle Auftritte in der ganzen Welt begeistert. Die CDs La Villanella », « Landi», « La Tarantella » « All’Improvviso », « Rappresentatione di Anima et di Corpo », « Teatro d’amore », « Via crucis », « Marienvesper », « Los Pajaros perdidos » wurden mit den Schallplattenpreisen 10 Répertoire, Diapason D’Or, CD der Woche BBC, CD des Monats Amadeus, Prix Exellentia Pizzicato, Prix Radio Clara (2003) Cannes Classicals Awards (2004), Edison Price Holland (2009 und 2011), Echo Klassik (2009, 2010 und 2011)) ausgezeichnet.

Seit 1999 unterrichtet sie eine Klasse für Barockharfe am Königlichen Konservatorium in Den Haag.

Philharmonisches Orchester Heidelberg

Gegründet wird das Philharmonische Orchester am 8. April 1889 unter der Bezeichnung »Städtisches Orchester«. Dieser Zeitpunkt markiert zunächst die Eingliederung des Orchesters in die Städtische Verwaltung. Bereits vorher ist die Musikkultur in Heidelberg höchst lebendig.

Am Anfang steht ein »Musikverein«, der seit 1812 nachweisbar ist und der im Wesentlichen aus Laienmusikern besteht.  Als »Heidelberger Stadtorchester« erhält das Orchester ab 1839 städtische Subventionen. Die Arbeit des Städtischen Orchesters besteht in den ersten Jahren vor allem aus Unterhaltungsmusik. Dies ändert sich durch das Engagement des ersten bedeutenden Dirigenten, Philipp Wolfrum, der als Gründer und Dirigent des Heidelberger Bachchores schon über viele Jahre mit dem Orchester musiziert hatte. Parallel zu Wolfrum als damaligem Universitätsmusikdirektor wirkt Paul Radig als Städtischer Musikdirektor.

In der Ära Wolfrum ist Heidelberg eine Hochburg der zeitgenössischen Musik und das Städtische Orchester eine einflussreiche Institution der Musikgeschichte: bereits 1893 werden Richard-Strauss-Tage veranstaltet. 1901 erlebt Jean Sibelius beim Heidelberger Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins seinen ersten internationalen Erfolg, als er im Festkonzert zwei Legenden aus der »Lemminkäinen-Suite« dirigiert. 1913 gibt es ein ganz auf Johann Sebastian Bach und Max Reger konzentriertes Heidelberger Musikfest.  Einen neuen Einschnitt im Konzertleben bringt der Städtische Musikdirektor Kurt Overhoff, der 1931 die Leitung der Symphoniekonzerte in die Hand nimmt und das Orchester in den kommenden Jahren einem neuen Aufgabenkreis zuführt. Overhoff muss seine Tätigkeit aber bereits 1940 wegen Krankheit aufgeben. Während des Zweiten Weltkriegs wird das Heidelberger Musikleben vor allem durch namhafte Gastdirigenten aufrechterhalten.

Bereits im August 1945 ist es Hermann Meinhard Poppen möglich, mit dem aus zum Teil einheimischen Kräften verstärkten Städtischen Orchester und dem Bachverein im Schlosshof die Konzertreihe der Stadt und des Bachvereins wieder einzuführen. Die Berufung von Musikdirektor Fritz Henn bringt dann die volle Wiedereinführung des Konzert- und Opernbetriebs und erhöht auch die Anzahl an Planstellen erheblich.

Kontinuierlich aufwrts geht es 1954 mit der Einstellung Karl Ruchts als Leiter des Städtischen Orchesters. Rucht, ehemaliger Solotrompeter der Berliner Philharmoniker, ist bereits Generalmusikdirektor des Pfalzorchesters Ludwigshafen und übernimmt nun als zweites Orchester in leitender Position das Städtische Orchester Heidelberg. Er nutzt seine Doppelstellung, um eine enge Kooperation der beiden Orchester zu ermöglichen, und auf solche Weise groß besetzte Werke aufführen zu können. Bis zum Jahr 1960 dauerte die Zusammenarbeit zwischen dem Pfalzorchester Ludwigshafen und dem Städtischen Orchester Heidelberg.

Nach der Ära Karl Rucht übernimmt für ein Jahr zunächst Hans Blümer, 1. Kapellmeister der Städtischen Bühne, zwischenzeitlich die Leitung des Orchesters. Er hat sich 1960−61 und in den Jahren 1972−73 mit großem Engagement dieser Aufgabe gestellt, so dass die Interimsjahre nie wie Provisorien wirkten. In den folgenden Jahren leiten Kurt Brass, Christian Süss und Gerhard Schäfer das Städtische Orchester. Unter Christian Süss werden erste pädagogische Angebote aufgebaut: Konzerte für Kinder und Erwachsene sowie der Öffentlichkeit zugängliche Konzertproben, die auch von Schulklassen besucht werden.

Der gebürtige Schweizer Mario Venzago übernimmt 1986 die Leitung des Orchesters. Sein Wirken als Dirigent, Pianist und Liedbegleiter sowie als Komponist, zeigt eine lebendige musikalische Vielfalt. Venzagos weit gefächerte Programme der Symphonie- und Serenadenkonzerte finden beim Publikum großes Interesse und Beifall. Ihm gelingt die Aufstockung des Orchesters um 8 Stellen. Seit 2007 ist Mario Venzago Ehrendirigent des Philharmonischen Orchesters Heidelberg.

Für die Spielzeiten 1994/95 und 2006/07 wurde das Orchester vom Deutschen Musikverleger-Verband mit dem Preis für das »Beste Konzertprogramm« ausgezeichnet. Konzertreisen führten das Orchester in den letzten Jahren in die Kölner Philharmonie, nach Antwerpen und nach Ravenna. Die Konzerte werden regelmäßig vom Deutschlandfunk und vom SWR mitgeschnitten. Das Philharmonische Orchester Heidelberg zeichnet sich durch seine stilistische Flexibilität aus. Seit 2006 beschäftigen sich die Philharmoniker im Rahmen des Festivals Winter in Schwetzingen mit historischer Aufführungspraxis. Eine lange Tradition hat das Engagement für Neue Musik: Mehrere Werke wurden vom Philharmonischen Orchester uraufgeführt und sind diesem gewidmet. Seit 2005 arbeitet das Orchester mit einem jährlich wechselnden »Komponisten für Heidelberg« intensiv zusammen. Einen besonderen Stellenwert hat die Musikvermittlung. Eine Familienkonzert-Reihe wird unter anderem durch Piccolo- und Kinderkonzerte sowie durch ein Jugendkonzert ergänzt. Außerdem engagieren sich die Orchestermitglieder in Schulen und Kindergärten und sind dort häufig zu Gast. Das Jugendprojekt »Rap it Like Heidelberg« wurde 2010 vom Deutschen Musikrat mit dem 1. Preis beim Wettbewerb zum »Tag der Musik 2010« ausgezeichnet. Zusätzlich präsentieren sich die Mitglieder des Orchesters regelmäßig in wechselnden Formationen in Kammerkonzerten.

Quatuor Modigliani

Amaury Coeytaux, Violine von Giovanni Battista Guadagnini von 1775
Loïc Rio, Violine von Giovanni Battista Guadagnini von 1780
Laurent Marfaing, Viola von Luigi Mariani von 1660
François Kieffer, Violoncello von Matteo Goffriller von 1706

Das in Paris lebende Quatuor Modigliani feierte in der vergangenen Saison sein 15-jähriges Bestehen und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Weltweit hat sich das Ensemble als eines der meistgefragten Quartette seiner Generation etabliert, das in den ehrwürdigsten Konzertsälen und Streichquartettserien auftritt. Eine besondere Auszeichnung war es für das Quatuor Modigliani im März 2017 als erstes Streichquartett im Großen Saal der Elbphilharmonie zu spielen.

In dieser und der letzten Saison ist das Quartett in Nord- und Südamerika, Japan und Europa auf Tournee und tritt u.a. in der Wigmore Hall London, Auditorium du Musée du Louvre Paris, The Morgan Library & Museum New York, Philharmonie Köln, Flagey Brüssel, Pierre Boulez Saal Berlin, Prinzregententheater München und Tokyos Oji Hall auf. Außerdem sind sie bei Festivals wie den Salzburg Festspielen, Schubertiade Schwarzenberg, Menuhin Festival Gstaad und den Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu Gast.

Seit jeher öffnet das Quartett gern seine Formation für größere Kammermusikwerke, wobei wunderbare Künstler-Freundschaften mit Nicholas Angelich, Daniel Müller-Schott, Yefim Bronfman, Sabine Meyer, Beatrice Rana, Renaud Capuçon u.a. entstanden sind.

Im Sommer 2014 hat das Quartett die künstlerische Leitung des nach dreizehn Jahren wieder eröffneten berühmten Evian Festivals am Genfer See übernommen, das sein Renommee seinem damaligen Leiter, Mstislav Rostropowitsch verdankt. Heute zählt das Festival wieder zu den musikalischen Höhepunkten des europäischen Festivalsommers.

Das Quatuor Modigliani veröffentlicht seit 2008 auf dem französischen Label Mirare und hat seitdem acht Alben eingespielt.

Nach fünfzehn Jahren fühlt sich das Quartett reif für die nächste Herausforderung: die Verantwortung zu übernehmen, seine Erfahrung und Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Nachdem sie 2016 mit ihrem „Atelier“ beim Evian Festival begonnen haben, gibt das Quartett seit Herbst 2017 eine Reihe von Meisterkursen am Pariser Conservatoire National supérieur de Musique.

Dank der großzügigen Unterstützung von privaten Sponsoren spielt das Quartett auf vier außergewöhnlichen alten italienischen Instrumenten.

Das Quartett dankt der SPEDIDAM für ihre Unterstützung.

Grigory Sokolov © AMC Verona

Grigory Sokolov

Grigory Sokolov ist zweifelsohne einer der größten Pianisten unserer Tage. Anti-Star par excellence, zurückhaltend und fern von Exzentrik und Glamour, wird Sokolov heute von einer begeisterten Anhängerschaft gefeiert. Die internationale Kritik rühmt besonders die Tiefe seiner musikalischen Welt, seine absolute, technische Kontrolle sowie die immer wieder überraschende Originalität seiner Interpretationen.
In Leningrad geboren, beginnt er das Klavierstudium als Fünfjähriger. Schon im Alter von sechzehn Jahren erregt er internationale Aufmerksamkeit, als er den ersten Preis des Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau gewinnt.
Bedeutende Orchester und über 200 Dirigenten sind Sokolov während seiner Laufbahn in den wichtigsten Konzertsälen der Welt begegnet, darunter Myung-Whung Chung, Valery Gergiev, Herbert Blomstedt, Neeme Järvi, Sakari Oramo, Trevor Pinnock, Andrew Litton und Moshe Atzmon.
Seit einigen Jahren konzentriert sich Grigory Sokolov ausschließlich auf Soloabende und gehört zu den wenigen Pianisten, die regelmäßig jede Saison in den großen europäischen Konzertsälen zu Gast sind. Beim Heidelberger Frühling begeisterte er zuletzt 2018.

L'Arpeggiata © Michael Uneffer

L‘Arpeggiata

Christina Pluhar ist eine der innovativsten Musikerinnen der Alte-Musik-Szene, die in ihren Projekten die Grenzen der Musikstile überschreitet und damit wie kaum ein anderer Künstler überzeugt.

Mit ihrer unbändigen Musizierlust hat sie 2009, 2010 und 2011 (!) den Klassik-ECHO abgeräumt.

Das hochdekorierte Ensemble l’Arpeggiata wurde im Jahre 2000 von Christina Pluhar gegründet und besteht aus ausschließlich aus virtuosen und künstlerisch herausragenden Musikern zusammengesetzt ist. In Zusammenarbeit mit Solisten verschiedenster musikalischer Herkunft begeistert das Ensemble Publikum und Presse in der ganzen Welt durch unkonventionelle, mitreißende Aufführungen.

Benannt nach der gleichnamigen Toccata von Giovanni Girolamo Kapsberger hat sich L’Arpeggiata ganz auf die Aufführung der Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert. Dabei treffen überschäumende Spielfreude, Lust am Improvisieren und Experimentierfreudigkeit auf das musikalische Handwerk der historischen Aufführungspraxis. Zahlreiche Konzerttourneen haben das Ensemble durch ganz Europa, Australien, Südamerika, Japan, China und die USA geführt. Die zahlreichen Einspielungen wurden mit allen erdenklichen Preisen ausgezeichnet, darunter der «Cannes Classical Award», der «Diapason d’Or» und der «Echo Klassik», den Christina Pluhar und L’Arpeggiata 2009 für das Album «Teatro d’amore», 2010 für «Via Crucis», 2011 für «Vespro della beata vergine» und 2012 für «Los Párajos Perdidos – The South American project» erhielten.

Die CD «Mediterraneo» mit der Fado-Sängerin Misia erschien im März 2013, die CD „Music for a while – Improvisations on Purcell“ mit Philippe Jaroussky erschien im März 2014.