Philharmonisches Orchester Heidelberg

Gegründet wird das Philharmonische Orchester am 8. April 1889 unter der Bezeichnung »Städtisches Orchester«. Dieser Zeitpunkt markiert zunächst die Eingliederung des Orchesters in die Städtische Verwaltung. Bereits vorher ist die Musikkultur in Heidelberg höchst lebendig.

Am Anfang steht ein »Musikverein«, der seit 1812 nachweisbar ist und der im Wesentlichen aus Laienmusikern besteht.  Als »Heidelberger Stadtorchester« erhält das Orchester ab 1839 städtische Subventionen. Die Arbeit des Städtischen Orchesters besteht in den ersten Jahren vor allem aus Unterhaltungsmusik. Dies ändert sich durch das Engagement des ersten bedeutenden Dirigenten, Philipp Wolfrum, der als Gründer und Dirigent des Heidelberger Bachchores schon über viele Jahre mit dem Orchester musiziert hatte. Parallel zu Wolfrum als damaligem Universitätsmusikdirektor wirkt Paul Radig als Städtischer Musikdirektor.

In der Ära Wolfrum ist Heidelberg eine Hochburg der zeitgenössischen Musik und das Städtische Orchester eine einflussreiche Institution der Musikgeschichte: bereits 1893 werden Richard-Strauss-Tage veranstaltet. 1901 erlebt Jean Sibelius beim Heidelberger Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins seinen ersten internationalen Erfolg, als er im Festkonzert zwei Legenden aus der »Lemminkäinen-Suite« dirigiert. 1913 gibt es ein ganz auf Johann Sebastian Bach und Max Reger konzentriertes Heidelberger Musikfest.  Einen neuen Einschnitt im Konzertleben bringt der Städtische Musikdirektor Kurt Overhoff, der 1931 die Leitung der Symphoniekonzerte in die Hand nimmt und das Orchester in den kommenden Jahren einem neuen Aufgabenkreis zuführt. Overhoff muss seine Tätigkeit aber bereits 1940 wegen Krankheit aufgeben. Während des Zweiten Weltkriegs wird das Heidelberger Musikleben vor allem durch namhafte Gastdirigenten aufrechterhalten.

Bereits im August 1945 ist es Hermann Meinhard Poppen möglich, mit dem aus zum Teil einheimischen Kräften verstärkten Städtischen Orchester und dem Bachverein im Schlosshof die Konzertreihe der Stadt und des Bachvereins wieder einzuführen. Die Berufung von Musikdirektor Fritz Henn bringt dann die volle Wiedereinführung des Konzert- und Opernbetriebs und erhöht auch die Anzahl an Planstellen erheblich.

Kontinuierlich aufwrts geht es 1954 mit der Einstellung Karl Ruchts als Leiter des Städtischen Orchesters. Rucht, ehemaliger Solotrompeter der Berliner Philharmoniker, ist bereits Generalmusikdirektor des Pfalzorchesters Ludwigshafen und übernimmt nun als zweites Orchester in leitender Position das Städtische Orchester Heidelberg. Er nutzt seine Doppelstellung, um eine enge Kooperation der beiden Orchester zu ermöglichen, und auf solche Weise groß besetzte Werke aufführen zu können. Bis zum Jahr 1960 dauerte die Zusammenarbeit zwischen dem Pfalzorchester Ludwigshafen und dem Städtischen Orchester Heidelberg.

Nach der Ära Karl Rucht übernimmt für ein Jahr zunächst Hans Blümer, 1. Kapellmeister der Städtischen Bühne, zwischenzeitlich die Leitung des Orchesters. Er hat sich 1960−61 und in den Jahren 1972−73 mit großem Engagement dieser Aufgabe gestellt, so dass die Interimsjahre nie wie Provisorien wirkten. In den folgenden Jahren leiten Kurt Brass, Christian Süss und Gerhard Schäfer das Städtische Orchester. Unter Christian Süss werden erste pädagogische Angebote aufgebaut: Konzerte für Kinder und Erwachsene sowie der Öffentlichkeit zugängliche Konzertproben, die auch von Schulklassen besucht werden.

Der gebürtige Schweizer Mario Venzago übernimmt 1986 die Leitung des Orchesters. Sein Wirken als Dirigent, Pianist und Liedbegleiter sowie als Komponist, zeigt eine lebendige musikalische Vielfalt. Venzagos weit gefächerte Programme der Symphonie- und Serenadenkonzerte finden beim Publikum großes Interesse und Beifall. Ihm gelingt die Aufstockung des Orchesters um 8 Stellen. Seit 2007 ist Mario Venzago Ehrendirigent des Philharmonischen Orchesters Heidelberg.

Für die Spielzeiten 1994/95 und 2006/07 wurde das Orchester vom Deutschen Musikverleger-Verband mit dem Preis für das »Beste Konzertprogramm« ausgezeichnet. Konzertreisen führten das Orchester in den letzten Jahren in die Kölner Philharmonie, nach Antwerpen und nach Ravenna. Die Konzerte werden regelmäßig vom Deutschlandfunk und vom SWR mitgeschnitten. Das Philharmonische Orchester Heidelberg zeichnet sich durch seine stilistische Flexibilität aus. Seit 2006 beschäftigen sich die Philharmoniker im Rahmen des Festivals Winter in Schwetzingen mit historischer Aufführungspraxis. Eine lange Tradition hat das Engagement für Neue Musik: Mehrere Werke wurden vom Philharmonischen Orchester uraufgeführt und sind diesem gewidmet. Seit 2005 arbeitet das Orchester mit einem jährlich wechselnden »Komponisten für Heidelberg« intensiv zusammen. Einen besonderen Stellenwert hat die Musikvermittlung. Eine Familienkonzert-Reihe wird unter anderem durch Piccolo- und Kinderkonzerte sowie durch ein Jugendkonzert ergänzt. Außerdem engagieren sich die Orchestermitglieder in Schulen und Kindergärten und sind dort häufig zu Gast. Das Jugendprojekt »Rap it Like Heidelberg« wurde 2010 vom Deutschen Musikrat mit dem 1. Preis beim Wettbewerb zum »Tag der Musik 2010« ausgezeichnet. Zusätzlich präsentieren sich die Mitglieder des Orchesters regelmäßig in wechselnden Formationen in Kammerkonzerten.

Von 2005 bis 2012 leitet der mittlerweile international gefeierte Cornelius Meister das Philharmonische Orchester in der Position des Generalmusikdirektors der Stadt Heidelberg. Auf ihn folgt bis 2014 GMD Yordan Kamdzhalov. Seit der Spielzeit 2015|16 ist Elias Grandy Generalmusikdirektor der Philharmoniker und der Stadt Heidelberg. Heute ist das Philharmonische Orchester Heidelberg in Einheit mit dem Theater der Stadt Heidelberg unter Intendant Holger Schultze fester Bestandteil des Heidelberger Musiklebens und bereichert die Kulturszene auf vielfältige Weise.

Quatuor Modigliani

Amaury Coeytaux, Violine von Giovanni Battista Guadagnini von 1775
Loïc Rio, Violine von Giovanni Battista Guadagnini von 1780
Laurent Marfaing, Viola von Luigi Mariani von 1660
François Kieffer, Violoncello von Matteo Goffriller von 1706

Das in Paris lebende Quatuor Modigliani feierte in der vergangenen Saison sein 15-jähriges Bestehen und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Weltweit hat sich das Ensemble als eines der meistgefragten Quartette seiner Generation etabliert, das in den ehrwürdigsten Konzertsälen und Streichquartettserien auftritt. Eine besondere Auszeichnung war es für das Quatuor Modigliani im März 2017 als erstes Streichquartett im Großen Saal der Elbphilharmonie zu spielen.

In dieser und der letzten Saison ist das Quartett in Nord- und Südamerika, Japan und Europa auf Tournee und tritt u.a. in der Wigmore Hall London, Auditorium du Musée du Louvre Paris, The Morgan Library & Museum New York, Philharmonie Köln, Flagey Brüssel, Pierre Boulez Saal Berlin, Prinzregententheater München und Tokyos Oji Hall auf. Außerdem sind sie bei Festivals wie den Salzburg Festspielen, Schubertiade Schwarzenberg, Menuhin Festival Gstaad und den Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu Gast.

Seit jeher öffnet das Quartett gern seine Formation für größere Kammermusikwerke, wobei wunderbare Künstler-Freundschaften mit Nicholas Angelich, Daniel Müller-Schott, Yefim Bronfman, Sabine Meyer, Beatrice Rana, Renaud Capuçon u.a. entstanden sind.

Im Sommer 2014 hat das Quartett die künstlerische Leitung des nach dreizehn Jahren wieder eröffneten berühmten Evian Festivals am Genfer See übernommen, das sein Renommee seinem damaligen Leiter, Mstislav Rostropowitsch verdankt. Heute zählt das Festival wieder zu den musikalischen Höhepunkten des europäischen Festivalsommers.

Das Quatuor Modigliani veröffentlicht seit 2008 auf dem französischen Label Mirare und hat seitdem acht Alben eingespielt.

Nach fünfzehn Jahren fühlt sich das Quartett reif für die nächste Herausforderung: die Verantwortung zu übernehmen, seine Erfahrung und Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Nachdem sie 2016 mit ihrem „Atelier“ beim Evian Festival begonnen haben, gibt das Quartett seit Herbst 2017 eine Reihe von Meisterkursen am Pariser Conservatoire National supérieur de Musique.

Dank der großzügigen Unterstützung von privaten Sponsoren spielt das Quartett auf vier außergewöhnlichen alten italienischen Instrumenten.

Das Quartett dankt der SPEDIDAM für ihre Unterstützung.

Grigory Sokolov © AMC Verona

Grigory Sokolov

Grigory Sokolov ist zweifelsohne einer der größten Pianisten unserer Tage. Anti-Star par excellence, zurückhaltend und fern von Exzentrik und Glamour, wird Sokolov heute von einer begeisterten Anhängerschaft gefeiert. Die internationale Kritik rühmt besonders die Tiefe seiner musikalischen Welt, seine absolute, technische Kontrolle sowie die immer wieder überraschende Originalität seiner Interpretationen.
In Leningrad geboren, beginnt er das Klavierstudium als Fünfjähriger. Schon im Alter von sechzehn Jahren erregt er internationale Aufmerksamkeit, als er den ersten Preis des Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau gewinnt.
Bedeutende Orchester und über 200 Dirigenten sind Sokolov während seiner Laufbahn in den wichtigsten Konzertsälen der Welt begegnet, darunter Myung-Whung Chung, Valery Gergiev, Herbert Blomstedt, Neeme Järvi, Sakari Oramo, Trevor Pinnock, Andrew Litton und Moshe Atzmon.
Seit einigen Jahren konzentriert sich Grigory Sokolov ausschließlich auf Soloabende und gehört zu den wenigen Pianisten, die regelmäßig jede Saison in den großen europäischen Konzertsälen zu Gast sind. Beim Heidelberger Frühling begeisterte er zuletzt 2018.

L'Arpeggiata © Michael Uneffer

L‘Arpeggiata

Christina Pluhar ist eine der innovativsten Musikerinnen der Alte-Musik-Szene, die in ihren Projekten die Grenzen der Musikstile überschreitet und damit wie kaum ein anderer Künstler überzeugt.

Mit ihrer unbändigen Musizierlust hat sie 2009, 2010 und 2011 (!) den Klassik-ECHO abgeräumt.

Das hochdekorierte Ensemble l’Arpeggiata wurde im Jahre 2000 von Christina Pluhar gegründet und besteht aus ausschließlich aus virtuosen und künstlerisch herausragenden Musikern zusammengesetzt ist. In Zusammenarbeit mit Solisten verschiedenster musikalischer Herkunft begeistert das Ensemble Publikum und Presse in der ganzen Welt durch unkonventionelle, mitreißende Aufführungen.

Benannt nach der gleichnamigen Toccata von Giovanni Girolamo Kapsberger hat sich L’Arpeggiata ganz auf die Aufführung der Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert. Dabei treffen überschäumende Spielfreude, Lust am Improvisieren und Experimentierfreudigkeit auf das musikalische Handwerk der historischen Aufführungspraxis. Zahlreiche Konzerttourneen haben das Ensemble durch ganz Europa, Australien, Südamerika, Japan, China und die USA geführt. Die zahlreichen Einspielungen wurden mit allen erdenklichen Preisen ausgezeichnet, darunter der «Cannes Classical Award», der «Diapason d’Or» und der «Echo Klassik», den Christina Pluhar und L’Arpeggiata 2009 für das Album «Teatro d’amore», 2010 für «Via Crucis», 2011 für «Vespro della beata vergine» und 2012 für «Los Párajos Perdidos – The South American project» erhielten.

Die CD «Mediterraneo» mit der Fado-Sängerin Misia erschien im März 2013, die CD „Music for a while – Improvisations on Purcell“ mit Philippe Jaroussky erschien im März 2014.