Über Musik zusammenfinden

Das Projekt der Classic Scouts nach der ECHO-Debatte | März 2019

Die Vergabe des Musikpreises ECHO an die Rapper Kollegah & Farid Bang im Frühjahr 2018 hat eine gesellschaftliche Debatte um die Grenzen der künstlerischen Freiheit und die Verantwortung von Künstlern ausgelöst. Sind die umstrittenen Textzeilen des Rapper-Duos aufgrund ihres antisemitischen, frauenfeindlichen Inhalts gesellschaftlich akzeptabel oder gehört diese Art der Provokation zum Stilmittel des Rap? Wie kann es sein, dass sich so viele Jugendliche mit der Musik von Kollegah & Farid Bang identifizieren? Verleihen sie dem Lebensgefühl oder dem sich Abgrenzen vieler Jugendlicher gegenüber der politischen Korrektheit Ausdruck? Oder werden die Texte unreflektiert einfach hingenommen? Was passiert, wenn das passiert?

Die Classic Scouts haben sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. 2015 mit einem ECHO Klassik für Nachwuchsförderung ausgezeichnet, wurde kontrovers über eine mögliche Rückgabe des ECHO diskutiert. Ergebnis: Den ECHO behalten, aber die gesellschaftliche Verantwortung annehmen und ein Projekt auf den Weg bringen, das Jugendlichen eine Plattform bieten soll, über Musik zusammenzufinden, so unterschiedlich jeder einzelne auch sein mag. So, wie die Classic Scouts durch Musik zusammengefunden haben. Das Projekt sollte deutlich machen, dass jegliche Form der Ausgrenzung in unserer Gesellschaft keinen Platz haben sollte. Die junge Generation ist es, die die Gesellschaft von morgen prägen wird. Nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten! Gemeinsam mit anderen Jugendlichen haben die Classic Scouts ein klares Zeichen der jüngeren Generation gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung gesetzt. Und für das stehen, was sie verbindet: die Musik!

Hierfür hatten sich die Classic Scouts den Percussionisten Thorsten Gellings ins Boot geholt. Im März 2019 haben sie mit ihm gemeinsam eine Reihe von Improvisations-Workshops für Jugendliche an Schulen unterschiedlichen Bildungsgrads angeboten, um über das Mittel der Musik gesellschaftliche Phänomene zu verdeutlichen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Wie funktioniert Gemeinschaft? Wie wird aus Individuen eine Gruppe? Wie gehen wir achtsam, respektvoll und konstruktiv miteinander um, so dass jede/r seinen Platz findet und gemeinsam Neues entsteht?

Die ECHO-Debatte war dabei Ausgangspunkt und Impuls, nicht der Inhalt selbst. Gleichwohl sollte Raum für Diskussion um die Grenzen künstlerischer Freiheit und das Gefahrenpotenzial diskriminierender Texte sein. Sie konnte im Verlauf des Workshops aufgegriffen werden.

Teilnehmende Schulen waren das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium, das Hohenstaufen-Gymnasium Eberbach, die Internationale Gesamtschule Heidelberg, die Humboldt Realschule Eppelheim und die Waldorfschule in Wieblingen, mit Klassen zwischen Stufe 10 und 12.

Teile dessen, was aus diesem Projekt entstand, ist in den Konzertabend der Classic Scouts »gewohnt anders« am 29. März 2019 im Rahmen des Heidelberger Frühling 2019 eingeflossen, der unter dem Festival-Leitgedanken »Wie wollen wir leben?« stand.