Jessica Pratt

Jessica Pratt

»Chimes of Freedom«

Mi 1. April 2015 21:00 Uhr
Kulturhaus Karlstorbahnhof

Kalifornien ist eine eigene Welt mit einer eigenen Zeitrechnung. Eine Fahrt in die vernetzten Städte des kühlen Nordens ist eine Reise in die Zukunft, tief im Süden scheint die Zeit in den Sechzigern stehen geblieben zu sein, irgendwo dazwischen liegt LA wie eine zeitlose Fantasiestadt und umgeben ist das Ganze von Unmengen archaischer Natur in allen Farben und Formen. Jessica Pratt reiht sich heute nicht nur ein in die Tradition von kalifornischen Musikern, die dem Land an der Westküste ein musikalisches Gesicht und uns einen Soundtrack für die nächste Reise entlang des Highway 1 gibt, sondern sie ist heute vielleicht die einzige, die ihre Heimat auch als Zeitphänomen zu vertonen weiß. Vielleicht liegt es an ihrem urkalifornischen Lebensweg, der sie aus der Mitte des Nirgendwo über die Jugend in San Francisco in einfache Verhältnissen am Rand von Los Angeles führte, wo sie heute lebt. Für die unbeschreibliche Tiefe in ihren Songs kommen aber nur übernatürliche Erklärungen in Frage. Sind Crosby, Stills, Nash & Young zu einem einzigen musikalischen Geist verschmolzen, der mit der Stimme von Joni Mitchell zu uns spricht? Wurde Nick Drake ausgerechnet als selbstbewusstes amerikanisches Mädchen wiedergeboren? Hatte Tim Buckley irgendwo noch eine uneheliche Tochter versteckt, die nun nachholt, was ihr hochbegabter Halbbruder in der Gosse liegend versäumte? Wer jetzt empört vor der Vorschuss-Mythologisierung einer Newcomerin warnt, sollte sich aber einfach mal ihr im Vierspur-Schlafzimmerstudio hingezaubertes Album anhören und sich daran erinnern, das alle Legenden irgendwann so angefangen haben und wir auch in Zukunft nicht gefeit sind vor amerikanischer Folk-Musik, die den hochkulturellen Anspruch der Metropolen mit der Ursprünglichkeit des Landes mühelos verbindet. So wie Kalifornien.

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