Scott Matthew

Scott Matthew

»Chimes of Freedom«

Fr 24. April 2015 21:00 Uhr
Kulturhaus Karlstorbahnhof

Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass ausgerechnet ein so begnadeter Songpoet wie der Wahl-New Yorker auf seinem neuen Studio-Album mit einem Song-Zyklus ausschließlich mit Interpretationen fremden Materials aufwartet. Schließlich hat sich Scott Matthew nach seinem selbstbetitelten Debut von 2008 mit drei Solo-Alben höchsten Respekt unter Kritikern und Fans erarbeitet, auch und gerade als Songschreiber, dessen hochemotionale Lieder singulär aus der Masse herausragen. Mit dem Titel “Unlearned” umreißt er bereits den besonderen Ausgangszustand, der einem Projekt wie der hier vorliegenden Sammlung von 14 Songs aus allen Epochen der Popgeschichte zugrunde liegen muss.
Ab dem ersten Ton des neuen Albums wird jedoch klar, dass es sich bei diesen Cover-Versionen nicht mehr um fremde Songs handelt, sondern um ureigenes, originales Material. Denn er fängt stets bei Null an, jeder Song ist ein weißes Blatt Papier, das zu einer neuen Komposition aus Klängen, Phantasie und Emotion entwickelt wird. Sicher, ein nicht unerheblicher Teil der musikalischen Matrix und ein noch größerer der Texte bleibt erhalten. Aber die Radikalität der Umgestaltung lässt uns keinen Zweifel: Auch wenn uns die Songs vage bekannt vorkommen, erscheinen sie eindeutig als künstlerische Äußerungen Scott Matthews, der uns eher mit Neuvertonungen von Ablagerungen aus seinem musikalischen Gedächtnis konfrontiert, als Töne abzumalen und Akkordfolgen nachzuerzählen. Und damit ist er womöglich so nah wie noch nie an dem, was Pop ohne den letzten Rest des bürgerlichen Schöpferkultes im Kern ist, der noch an ihm klebt wie eine Mutterdaune an einem in kulturhistorischen Dimensionen immer noch frisch geschlüpften Küken.

 

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