Ein Blick über den Atlantik – und zurück

250 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeit im Jahr 1776 und der Entstehung des Streichquartetts blickte die Festivalausgabe 2026 über den Atlantik – auf die amerikanischen Impulse, die die europäische Quartetttradition geprägt haben. Und zurück auf Joseph Haydn, der sie damals begründete.

Über den Atlantik: Amerikanische Impulse

Auch wenn der utopische Geist Amerikas, der das Freiheitsversprechen von 1776 einst beflügelte, heute schwerer denn je greifbar ist und der Umgang mit dem wichtigsten Verbündeten oft von Vorsicht und Ratlosigkeit geprägt wird, ist der Blick über den Atlantik für das Streichquartettfest gerade jetzt besonders erhellend: US-amerikanische Impulse haben das Streichquartett in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Kronos Quartet, dessen Zusammenarbeit mit Komponist*innen unterschiedlichster Herkunft spannende Verbindungen zu nicht-klassischen Musikformen aus aller Welt schafft.

Im Festivalprogramm reflektierten amerikanische Quartettkompositionen das Freiheitsversprechen des Landes auf immer wieder andere Weise – vom „Amerikanischen“ Quartett des Böhmen Antonín Dvořák, über Amy Beachs Werk aus dem Jahr 1929 mit Inuit-Melodien, bis zu neueren Stücken von John Adams, Ruth Schonthal und Bryce Dessner, die Tradition und Innovation faszinierend verbinden.

Zurück zu Haydn: Der Ursprung

Gäbe es eine passendere Bezugsgröße als Joseph Haydn? Die Unabhängigkeitserklärung der USA liegt zeitlich ziemlich genau zwischen seinen „Sonnenquartetten“ von 1772 und den „Russischen Quartetten“ von 1781. In diesen Meisterwerken begründete Haydn nicht nur die Gattung des Streichquartetts, sondern problematisierte sie auch, führte sie zur vollen Reife und entwickelte sie beständig weiter.

Tschechische Werke & Neuentdeckungen

Die fünf Ensembles präsentierten außerdem Werke tschechischer Komponisten wie Bedřich Smetana sowie selten gespielte Raritäten von u.a. Henriëtte Bosmans und Ruth Schonthal, die es zu entdecken gilt.

Vertiefung & Vermittlung

In Workshops zu Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Leoš Janáček konnten Besucher*innen die Musik noch intensiver erleben und hören.