Lieder für das Jetzt


„Lieder für das Jetzt“ heißt die von Liedpianist und Lyriker Daniel Gerzenberg und Lyriker und Essayist Max Czollek kuratierte Reihe im Heidelberger Frühling Musikfestival 2022.

Die Grenzen und Bedeutungen des Liedes wurden an vier Abenden ausgelotet – von der Tradition politischer Lieddichtung zu einem neuen postmigrantischen Kanon, über das Verhältnis der Verfasser*innen zur Kunst bis zu Lyrik und Lieder im Spiegel neuer musikalischer Techniken.

Die Reihe wollte ein möglichst buntes Bild davon zeichnen, wie Lied in der Gegenwart klingen könnte. In Anerkennung der bestehenden Traditionen, auf der Suche nach verschütteten oder vergessenen Archiven, in der Frage, wie diese Gesellschaft zu dem wurde, was sie heute ist und welche Stimmen es braucht für eine Bewältigung der Gegenwart.

Deutschland im Winter, 30. März 2022, Dezernat 16

Die Tradition politischer Lieddichtung verbindet das Kunstlied eng mit den Kämpfen und Niederlagen der vergangenen Jahrhunderte. In diesem Genre waren Musik und Politik nicht Gegensatz, sondern vielfach Anlass und Wirkungsort. Ob als Komposition, Improvisation oder Rezitation. Ein Auftakt für eine Gegenwart, in der auch die Kunst wieder verstärkt aufgefordert ist, Position zu beziehen.

Max Czollek Lyrik
Hagar Sharvit, Gesang
Martine-Nicole Rojina , Klangkunst und -regie
Daniel Gerzenberg, Klavier & Lyrik

Radikale Verletzbarkeit, 4. April 2022, Frauenbad Heidelberg

Kaum ein Genre ist so eng mit der Frage nach Innerlichkeit und Subjektivität verbunden, wie das Kunstlied und die Dichtung. Aber stimmt das überhaupt und wessen Subjektivität ist damit gemeint? Und wie sieht das bei zeitgenössischen literarischen und musikalischen Praxen aus? Ein Abend, der diesen Fragen zwischen Cliché und Irritation, Kanon und Intervention nachlauscht.

Anna Hetzer, Lyrik
Marie Heeschen, Gesang
Claudia Chan, Klavier

Postmigrantisches Lied, 13. April 2022, St. Paul Boxberg

Die deutsche Gegenwart und Geschichte sind geprägt durch Migration. Und das gilt auch für die Musik, die sich niemals an nationale Grenzen gehalten hat. Neue alte Melodien treffen an diesem Abend auf Gedichte, Musik von der Straße auf Notensätze, Akkordeon und Bağlama auf unreine Reime. Ein Abend für alle, die gerade erst gekommen sind und schon immer da waren.

Derya Atakan & Irena Weber, Gesang
Marko Dinić & Lütfiye Güzel, Lyrik
Derya Yıldırım, Saz/Bağlama
Djordje Davidović, Akkordeon

Final Cut, 20. April 2022, Karlstorbahnhof Heidelberg

Wenn wir Tradition sagen, sagen wir auch Archiv. Und wenn wir Archiv sagen, sagen wir Popkultur. Mit ihren Techniken von Sampling und Scratching, Referenz und Zitation, Cut-up und Mixing stellt die Popkultur einen ganzen Instrumentenkoffer bereit, der an diesem Abend aus dem Hobbykeller geholt wird. Ein Experiment, bei dem man selbst noch nicht genau sagen kann, wie es ausgeht.

Sophia Burgos, Gesang
Daniel Gerzenberg, Klavier
Jan Kuhlbrodt, Lyrik
Simon Stockhausen, Sounddesign, Komposition, Musik



Wir danken
Das Projekt wird gefördert im Impulsprogramm „Kultur trotz Corona" des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg