Streichquartettfest 2023 – Mozart!

Mozart war kess, weil er ein scharfer Beobachter war. Mit gewandter Virtuosität hat er die Noten aufs Papier geworfen – stets mit Überraschungen. Er kannte das Leben und: Er wusste, wie man das Komplizierte einfach erscheinen lässt.

In seinen 36 Lebensjahren schrieb er mehr als 30 Jahre lang Kammermusik, über einen Zeitraum von 20 Jahren seine Quartette. Sie offenbaren einen eindrucksvollen Entwicklungsbogen: von den Frühwerken, die man kaum so benennen mag, über die mittlere Phase bis zu den zehn späten Meister-Quartetten. Natürlich komponiert Mozart gegen Ende seines Lebens anders, dichter, reifer. Aber spricht das, umgekehrt, gegen die Bedeutung seiner frühen Quartette?

Es ist ein bisschen wie bei seinen Sinfonien: Die späten Werke gelten als unbestrittene Höhepunkte, die frühen werden gern unterschätzt, weil als Jugendwerke einsortiert. Ein leichtsinniger Trugschluss.

Schaut man sich bereits Mozarts erste Quartette an, so erkennt man, wie er tickt. In seinem Kopf spukt immer die Oper. Seine Musik lebt von imaginären Figuren, die das pralle Leben in unterschiedlichen Facetten repräsentieren: die Fröhlichkeit der Jugend, Ausgelassenheit, Jubel. Dementgegen lauert lyrisch-innige Hingabe oder aber zarte Melancholie. Auch gibt es tiefe Grübelei, sogar Trauer.

Mozart komponiert seine Quartette an einer historischen Schnittstelle. Das Musikleben löst sich allmählich aus dem Rahmen geistlicher oder politischer Anlässe. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts steht für einen Wandel, weg vom rein aristokratisch-Feudalen hin zum Bürgerlichen. Die Musik wandert von den Adelshöfen zunehmend in ein häusliches Umfeld. Dort findet vor allem das Streichquartett einen idealen Nährboden. Niemand hat das so erkannt wie Joseph Haydn, der die Gattung unwiderruflich im Repertoire verankert hat. Und Mozart ist ein unmittelbarer Zeitzeuge. Doch anders als Haydn lässt sich Mozart häufiger von konkreten äußeren Umständen, von persönlichen Motiven zu seinen Werken anstiften. Während er seine Sinfonien und Klavierkonzerte für ein größeres, aber auch anonymeres Publikum schreibt, entstehen die Quartette für eine vergleichsweise kleine Kennerschar. Mozart zaubert diese Musik nicht immer nur ausgelassen aus dem Hut. Gerade in den sechs Joseph Haydn gewidmeten Quartetten versichert er sich, penibel feilend, seiner Vorbilder, zu denen auch Johann Sebastian Bach zählt.

Mozart komponiert seine Quartette entweder in zeitlich dichter Folge auf Reisen – so bei sechs italienischen Werken („Mailänder Quartette“) zwischen Oktober 1772 und Mai 1773 – oder unmittelbar im Anschluss an eine Reise – wie bei den späten „Preußischen Quartetten“ aus dem Frühjahr 1789. Oder er lässt sich bewusst Zeit, wie bei den sechs „Haydn-Quartetten“, die ab Dezember 1782 über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren entstehen.

Die vielleicht beste PR-Aktion, die Mozart unfreiwillig erlebt hat, erfolgte im Anschluss an die Aufführung dreier Quartette im Januar 1785. Nicht ganz ist geklärt, wer daran mitgewirkt hat. Fest hingegen steht, dass Joseph Haydn anschließend zu Mozarts Vater jenen Satz gesprochen hat, der wie ein Denkmal Mozarts Ruhm zementieren wird: „ich sage ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft.“ Möchte man diese Synthese aus „geschmack“ und „Compositionswissenschaft“ bei Mozart näher auf die Schliche kommen, sollte man sich unbedingt seinen Streichquartetten nähern, im Idealfall in unmittelbarer Gegenüberstellung mit Werken seiner Zeitgenossen.


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