(Un)freiheiten

»Ich begann meine Arbeit, indem ich eine Nacht im Regenwald komponierte, mit dem raschelnden Klang der Insekten. Ich wollte eine Art Ritual kreieren, bei dem das Publikum von einem machtvollen Klang umgeben ist. Ich habe mich auf archetypische Bilder konzentriert. Das Meer und der Wald sind überall im Stück präsent… Ich wollte das Unfassbare zum Klingen bringen, ohne Effekt oder Drama…« Thierry Pecou, französischer Komponist mit Wurzeln in Martinique, hat mit »Outre-memoire« ein faszinierendes Werk über die Geschichte des Sklavenhandels geschaffen, voller Klänge, Assoziationen, fremder Rhythmen und musikalischer Bilder, anderthalb Stunden einer »anderen Erinnerung« an die Unfreiheit.

In Kooperation mit dem Frauenbad Heidelberg

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Oh dass ich Flügel hätte

1386 wurde die Heidelberger Universität in der Heiliggeistkirche gegründet. Vier Jahre später wurde die jüdische Bevölkerung der Stadt vertrieben, um das neben der Kirche liegende Judenviertel für die Universität nutzen zu können; die Synagoge wurde zum Hörsaal. Dieser weniger bekannte Teil der Heidelberger Universitätsgeschichte hat uns zu einem Programm in der illuminierten Heiliggeistkirche veranlasst, bei dem sich – in Anlehnung an die Form der jüdischen Freitagabendliturgie und der christlichen Vesper – christliche und jüdische Psalmvertonungen zu einer elementaren Geschichte verbinden, die von Vertreibung und Heimat, Trennung und Gemeinschaft, schließlich Versöhnung erzählt.

Ensemble Variances

Das Ensemble Variances setzt sich seit seiner Gründung 2009 durch den französischen Komponisten Thierry Pécou intensiv mit den aktuellen Themen unserer Gegenwart in der Musik auseinander, sei es mit Ökologie, Migration, Kolonisation oder medizinisch-ethischen Fragen. Dabei bezieht es sich auf die Gedankenwelt des französischen Philosophen und Dichter Édouard Glissant (Martinique), die für eine Vielfältigkeit der Kulturen und eine Bereicherung des Lebens durch Diversität steht. In dieser Geisteshaltung öffnen sich die Programme von Thierry Pécou und des Ensemble Variances, die einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik legen, allen musikalischen Ästhetiken.

Thierry Pécou gründete das Ensemble Variances auf der Suche nach neuen Wegen, um Menschen für ein Konzert zu begeistern. Indem traditionelle Konzertformate aufgebrochen werden und das Publikum in die musikalische Gestaltung und Dramatik einbezogen wird, entfaltet sich in jedem Konzert des Ensemble Variances eine neue Geschichte, die die einzelnen Werke verknüpft. Die über jahrelang festzusammengewachsene Gruppe von Musikern erzählt diese Geschichten, die von zahlreichen Kulturen inspirierten inspiriert sind. So wird den Konzerten ein ritueller Charakter verliehen – jedes Mal eine einmalige Erfahrung, die die Musiker mit dem Publikum teilt.

Das Ensemble wurde von renommierten Festivals und Institutionen eingeladen, darunter die Pariser Cité de la Musique, das Festival Présences de Radio France, das Auditorium de Lyon, die Musikfestspiele Potsdam, das Lux Aeterna Festival der Elbphilharmonie Hamburg, die Wigmore Hall London, die Gaudeamus Muziekweek Utrecht (Niederlande), die Bourgie Hall Montréal, das Ottawa Chamber Fest (Kanada), das Detroit Institute of Arts und das Gamble Auditorium Cleveland (USA). Thierry Pécou und das Ensemble Variances haben ihren Lebensmittelpunkt im Herzen der Normandie in Rouen.

 

Takeover! Ensemble

„Fisch oder Fleisch?!“ Diese Frage könnte man sich bei diesem Ensemble durchaus stellen. Spielen sie doch stets im popkulturellen Kontext, jedoch ausschließlich auf klassischen Instrumenten. Aber dann entdeckt man dieses sündhaft teure Steakhaus, in dem Schalentiere zum Steak serviert werden, und das Ganze sogar noch einen mondän klingenden Namen bekommt: Surf & Turf…

Man muss sich bei diesem kammermusikalischen Ensemble also gar nicht zwischen den Genres entscheiden. Man bekommt beides serviert. Klassik und Pop. Auf höchstmöglichem Niveau. Alle Akteure um Miki Kekenj, Gründer und Arrangeur, und Kontrabassist der ersten Stunde Max Dommers, sind professionelle Musiker aus renommierten Klangkörpern Deutschlands.

Die Basis bildet meist ein etwa vierköpfiges Streichensemble, das durch farbenreiche Instrumente wie z.B. Klarinette, Oboe, oder auch Harfe stellenweise ergänzt wird. Je nach künstlerischer Laune. Von ihnen begleitet werden Künstler aus der Popkultur – meist Sänger, manchmal auch DJs – die oft erstmalig in einem klassischen Kontext auftauchen. Philharmonien, klassische Musikfestivals und sitzende Konzertbesucher sind sie sonst nicht gewohnt. Aber das musikalische Netz, in das sie fallen, ist weich…

In der mittlerweile fünfjährigen Geschichte konnte sich das Ensemble, das seine künstlerische Heimat in der Philharmonie Essen hat, ein beachtliches Publikum erspielen und greift auf einen Künstlerkatalog zurück, der sich sehen lassen kann.

Sie spielten schon mit Künstlern wie Max Mutzke, Joy Denalane, Cassandra Steen, Bosse, dem DJ-Duo Moonbootica, Curse und Maxim. Mit ihnen spielten sie in Sälen wie der Philharmonie Essen, der Alten Oper Frankfurt, der Tonhalle Düsseldorf oder der Elbphilharmonie Hamburg. Sie sind auch regelmäßige Gäste des Rheingau Musik Festivals und des Mosel Musik Festivals Trier.